Die Kinder im Fokus: Wer trainiert denn da?

Bisher haben wir vor allem von den Trainern erzählt. Dabei geht es bei dem gesamten Programm in erster Linie natürlich um eines: Den Nachwuchs, der letztlich mit Hilfe neuer Trainingsmethoden gefördert werden soll. Wer sind die Kinder, mit denen die Trainer in Changzhou zwei Monate lang arbeiteten?

Die Balance zwischen Ausbildung und Training

Bei den Teams handelt es sich nicht um klassische Vereinsmannschaften, wie man sie aus Deutschland kennt. Auch hier gibt es im chinesischen Vergleich einige Unterschiede: Anstatt in Vereinen organisiert zu sein, spielen die Kinder im Programm vor allem in der Schulferienzeit Fußball. Denn: Die Ausbildung steht an absolut erster Stelle: „Anderer Staat, anderes System. Für die Kinder ist es schwierig, Fußball und Ausbildung zu verbinden – die Schule und später die Universität stehen komplett im Vordergrund“, gibt Projekteiter Jianbo He Einblick. Allein zum Spaß würden die Kinder für gewöhnlich nicht zum Training gehen: „Wenn Kinder in Deutschland Fußball spielen möchten, können sie das tun, weil sie das wollen.“ In China stehe aber der Leistungsgedanke im Vordergrund – ein Punkt, der im Rahmen des zweimonatigen Testtrainings angegangen werden sollte: „ Wir versuchen, Kindern die Liebe zum Fußball beizubringen. Sie sollen Lust am Training haben. Die chinesische Variante ist zu oft zu streng“, erklärt Jianbo He – und die Trainer schafften es, diese Begeisterung innerhalb der zwei Monate zu entfachen: „Den Kindern hat es sehr gut gefallen.“

Das stellten auch die Coaches im Trainingsalltag fest. Nachdem die Kinder an den Schulen gescoutet und zum zweimonatigen Training eingeladen worden waren, folgte die Einteilung in Gruppen. Jeder Trainer arbeitete mit unterschiedlichen Zusammensetzungen – teilweise mit Mädchen, teilweise mit Jungs verschiedener Altersklassen.

„Das werde ich nie vergessen“

Gemeinsam hatten die Gruppen, dass sie bei den Trainern für Begeisterung sorgten: „Die Kinder haben alles aufgesaugt, was möglich war. Das ist für mich ein Zeichen,  dass sie Spaß haben“, freute sich Dennis Spiegel. Das Training kam gut an – auch, wenn der Fußball landesweit gesehen nicht die erste Geige spielt: „Natürlich kennen sie auch die großen Fußballer. Juventus Turin spielte mal in der Nähe, Inter Mailand. Aber sie haben auch andere Interessen, das darf man nicht vergessen.“ In den zwei Monaten stand der Fußball aber im Mittelpunkt – und das brachte starke Resultate: „Sie lernten absolut schnell. Ich war überrascht“, erzählt Gazmend Xhepa: „Sie lernen schneller – und sie mochten das Training.“ Für die Kinder sei vieles neu gewesen – deswegen wurde es aber nicht mit weniger Begeisterung angenommen: „Wir hatten ein sehr gutes Verhältnis zu den Kindern. Es hat mir gefallen.“ Ein Eindruck, den auch Marco Almeida hinsichtlich seiner Gruppe teilte: „Das Beste, was ich jeden Tag sah, war das Lächeln auf ihren Gesichtern. Sie kamen fröhlich zum Training.“

Die Mentalität und Einsatzbereitschaft sorgte bei den Coaches für mächtig Eindruck. Das gelernte konnten die Kinder immer wieder bei Turnieren während der zwei Monate unter Beweis stellen – und am Ende zeigten sich Trainer wie Schüler mit den Ergebnissen zufrieden: „Das was am Ende in der Gesichtern ist, diese Freude und Dankbarkeit – das ist ein Eindruck, den ich nicht vergessen werde“, blickt Dennis Spiegel zurück.

Umso schwerer war die Trennung, als die zwei Monate des Trainings beendet waren. Das Projekt steht allerdings noch ganz am Anfang – und wie es in Zukunft weitergehen wird, erfahrt Ihr im nächsten Beitrag!