Eine neue Philosophie – Europäischer Fußball auf Chinesisch

Das Projekt „The Chinese Sports Strategists“ entstand aus einer langjährigen Kooperation mehrerer Partner in Deutschland und der Volksrepublik China. Dennoch bedeutete der Start des Projekts auch eine Umstellung für viele der Beteiligten –  in erster Linie für die Trainer, die im Rahmen eines zweimonatigen Testlaufs nach China abreisten, um mit Jugendgruppen verschiedener Altersklassen zu arbeiten: „Das war eine große Chance“, erzählt Projektleiter Jianbo He. Der Plan gestaltete sich folgendermaßen: Europäische Trainer sollten im Laufe der Testphase gemeinsam mit ihren chinesischen Kollegen den Grundstein für eine langfristige Zusammenarbeit legen, um den chinesischen Fußball an der Basis nach vorne zu bringen. Ein großer Sprung – auch für die Trainer.

Eine ungewohnte Situation

„Ich war noch nie hier“, erklärt Trainer Gazmend Xhepa, der einen kleinen, aber positiven Kulturschock erlebte: „Die Leute hier sind so freundlich zu uns, wollten oft Fotos mit uns machen. So viele Ausländer gibt es hier nicht.“ „Hier“, das ist die Region Changzhou – ein Ort, der auch Dennis Spiegel nachhaltig im Gedächtnis bleiben wird. Für den langjährigen Nachwuchstrainer von Hannover 96 war der Sprung nach China ebenfalls eine völlig neue Erfahrung: „Ich wurde von herzlichen Menschen mit einer tollen Gastfreundschaft und einem großen Herzen empfangen“, beschreibt der Trainer den Start in die Testphase. Nach dem ersten Kennenlernen blieb aber nur wenig Zeit, sich einzuleben – schließlich gab es einiges zu tun: „Nach der Eröffnungszeremonie lernte ich das erste Mal mein Team kennen. Es waren weniger Mädchen als ich auf dem Zettel hatte und ich merkte schnell, dass ich mit meinen Englischkenntnissen nicht weit kommen würde. Denn die Mädchen sprachen ausschließlich Chinesisch.“

„Ein Ball verbindet“

Das galt auch für den Großteil der Mannschaften von Gazmend Xhepa und dem dritten Trainer im Bunde, Marco Almeida. Letzterer allerdings hatte einen kleinen Vorteil: „Als Spieler habe ich in China gespielt. Ein Jahr in Hongkong. Die Sprache ist zwar nicht dieselbe – da sprechen sie Kantonesisch – aber ich habe schnell gelernt. Die Kommunikation mit meinen Spielern war also sehr gut“, berichtet Almeida, der im Zweifel ebenso wie der Rest des Teams auf Dolmetscher zurückgreifen konnte: „Das hat auf jeden Fall einiges erleichtert“, erzählt Dennis Spiegel, der aber ebenso schnell versuchte, sich in die Sprache einzuarbeiten. Während des Trainings stellte die Sprache so, gerade nach den ersten Wochen, keine großen Probleme mehr dar: „Fußball spricht immer die gleiche Sprache. Egal, aus welcher Nationalität man kommt. Ein Ball verbindet.“

Die erste Hürde war also genommen. Doch die Unterschiede griffen tiefer, als nur bis zur Sprache: „Der größte Unterschied ist die Mentalität“, erklärte Marco Almeida, der das chinesische Training noch aus Spielerzeiten kennt. Der Fußball werde in China ausschließlich als Sport betrachtet, weniger als Spiel. Ein Unterschied zur Wahrnehmung unserer Trainer – wie sich der auswirkte, behandeln wir im nächsten Blogeintrag!