„The Chinese Sports Strategists“ auf Tour – Erste Auslandstation 2020: Portugal

Der Bedarf an Fußball-Know-How in China ist enorm. Ob Schul- und Sportämter, Universitäten, Profi- und Amateur-Klubs oder unabhängige Fußball-Akademien – sie alle sind auf der Suche nach geeigneten Partnern für die Entwicklung des hauseigenen Nachwuchs.

Nach der erfolgreichen Arbeit in Changzhou dient „The Chinese Sports Strategists“ als exzellente Referenz: Die potenziellen Geschäftspartner in China treten mit den Verantwortlichen in Changzhou in Verbindung und lassen sich vom Projekt berichten. Das hilft, Unsicherheiten auszuräumen – und die Frage „Erhalten wir für den Einsatz unserer finanziellen Mittel auch die im Vorfeld versprochene, qualitative und erfolgreiche Dienstleistung?“ positiv zu beantworten. So ist es uns gelungen weitere Anfragen in China zu generieren – über die wir in den kommenden Blog-Beiträgen natürlich umfassend berichten werden.

Wir wollen uns an dieser Stelle nicht auf dem Erreichten ausruhen. Ganz im Gegenteil: Wir haben nach einer internen Analyse entschieden, über den berühmten „Tellerrand“ hinauszuschauen. Es gilt sich weiterzuentwickeln, weitere Eindrücke zu sammeln und neue Ideen für unsere Fußballkonzepte zu gewinnen. Alles unter der Prämisse, junge Talente effizient auszubilden und sie fußballerisch innerhalb kürzester Zeit weiterzubringen. Dazu wollen wir uns an den Besten in Europa orientieren, um weitere Erkenntnisse in unsere Denk- und Arbeitsweise einfließen zu lassen.

So führte uns unser Weg nach Portugal. Das Land des amtierenden Europameisters scheint in Sachen Fußballausbildung eine Menge richtig zu machen! Klubs wie Benfica, Sporting und Porto zählen seit Jahrzehnten zu einem elitären Ausbilder-Kreis. Sie brachten u.a. Spieler wie Figo, Ronaldo (beide Weltfußballer), Nani und Joao Felix hervor, die allesamt bei Top-Klubs agierten und heute noch agieren. Und auch eine Vielzahl erfolgreicher Trainer stammt aus der portugiesischen Fußballwelt: Coaches wie Jose Mourinho, Andre Villas-Boas, Jorge Jesus, Nuno Espirito Santo, Vitor Pereira und viele weitere arbeiten weltweit erfolgreich mit ihren Teams. Stellt sich die Frage: Hat dieses Land von überschaubarer Größe (um die 10 Millionen Einwohner) einfach nur ein riesiges Talent abbekommen, oder beherrschen sie grundlegend andere Ansätze in ihrer Fußballer- und Trainer-Ausbildung? Das herauszufinden war eine spannende und ebenso herausfordernde Aufgabe – denn wenn es solche herausragenden Ansätze gibt, würden diese sicherlich nicht für jeden frei zugänglich sein.

Es gelang uns mit Hilfe unseres Coaches, Marco Antonio Mendes Almeida – seines Zeichens ehemaliger Jugendnationalspieler Portugals und Spieler des FC Porto, der im Changzhou-Projekt zum Einsatz kam – Termine bei den zwei führenden Klubs des Landes zu vereinbaren: Benfica Lissabon und FC Porto.

Ende Januar traten wir, Mark Hellwig, Altin Lala und ich, die dreitägige Reise nach Lissabon und Porto an. In Lissabon wurden wir von Davide Gomes, Leiter Innovation und Projektentwicklung Jugend-Fußball, in Empfang genommen. Es folgte ein halbtägiger Termin mit beeindruckenden Einsichten, die man sich im Vorfeld nur schwer hätte vorstellen können. Die Benfica-Akademie wurde in Dubai jüngst zur besten der Welt gekürt und wir erkannten sehr schnell die Gründe für diese alles-sagende Auszeichnung. Aus Gründen der Diskretion können wir im Rahmen dieses Blogs nicht auf die Details der Präsentation eingehen. So viel sei aber gesagt: Was tiefgründig bleibt ist der Umgang, die Herzlichkeit, die Gastfreundschaft und Leidenschaft der handelnden Personen, die bis zum letzten, verabschiedenden Handschlag allgegenwärtig war. Wir haben im Rahmen dieses Empfanges viele Menschen begrüßen dürfen. Und jeder Einzelne vermittelte den Eindruck, dass der Schlüssel zum Erfolg in der Menschlichkeit lag. Nachhaltig beeindruckend.

Am Folgetag stand der Besuch beim mindestens ebenso großen FC Porto an. Zweifacher Champions-League-Sieger und aktueller Titelträger der Youth Champions League. Dazu zweifacher Sieger der Euro League. Wir haben diesen Termin mit Spannung erwartet. Vor allem beschäftigte uns die Frage, ob und inwiefern sich die Arbeit der weltberühmten „Dragon Force“-Akademie von der des Rivalen aus Lissabon unterscheiden würde? Überhaupt: Wie schaffte es eine Stadt mit dieser Einwohnerzahl (unter 250.000), vergleichbar mit Heilbronn, Ulm oder Erlangen in Deutschland, eine so zentrale Rolle im Weltfußball zu spielen? Es musste ein ganz besonderer Erfolgsschlüssel sein.

Empfangen wurden wir am Vormittag von Alexandre Pinto da Costa, dem Sohn des langjährigen Präsidenten, Jorge Nuno Pinto da Costa, der seit 1982 die Geschicke des Klubs leitet und somit hautpverantwortlich für die Erfolgsära war und ist. Es folgten beeindruckende Dialoge, gespickt mit zahlreichen Anekdoten und Geschichten, die nach und nach ein immer klareres Bild ergaben: Der FC Porto ist anders. Die Menschen in der Stadt und der Region waren anders. Sie mussten es sein. Sonst hätten sie nicht die geringste Chance gehabt dort zu stehen. Wir haben tiefe Einblicke in ihre Arbeit, Methodologie, Philosophie und Mentalität erhalten. Auch hier waren wir – was war anderes zu erwarten – zutiefst beeindruckt.

Fazit: „The Chinese Sports Strategists“ haben Einblicke in die Arbeitsweisen zweier der erfolgreichsten Ausbildungsstätten Europas, und auch der Welt, gewinnen können. Wir haben beeindruckende Persönlichkeiten kennengelernt, die nicht nur von Konzepten erzählten. Nein, man konnte deutlich sehen, wie eng sie mit diesen Inhalten verwurzelt waren. Wie stolz es sie machte in den Reihen dieser großen Klubs zu stehen, sie zu repräsentieren und ihr Wissen mit anderen zu teilen. Und doch war ein wesentlicher Unterschied unverkennbar: Benfica präsentierte sich in Gänze strukturiert, als Welt-Klub. Das gut funktionierende Marketing war allgegenwärtig. Der FC Porto hingegen war zweifelsohne bis unter die Haarspitzen professionell – viel stärker, als wir uns vor Antritt der Reise vorstellen konnten. Strukturen, von denen auch viele deutsche Bundesligisten noch etwas lernen können. Trotzdem transportierte Porto einen anderen Spirit als Benfica. Eine andere Tiefe. Einen Ehrgeiz, geboren aus der gefühlten Missachtung und Rivalität zum großen Klub aus der Hauptstadt. Spannend zu beobachten aus der neutralen Position, in der wir uns nach wie vor befinden.

Wir haben den Trip auf die „portugiesische Art“ ausklingen lassen. In einer bescheidenen Gaststätte, im Herzen Lissabons, namens „A Obra“. Klein (keine 20 Sitzplätze), dafür von einer unfassbaren Qualität. Auch hier beiläufige Parallelen zum Fußball. Unser Weinspezialist Altin hat eine hervorragend passende Flasche zu den Speisen ausgewählt und so resümmierten wir gemeinsam die Erlebnisse der vergangenen Tage. Wir hatten engen Austausch mit den verantwortlichen Personen der zwei erfolgreichsten Klubs Portugals. Beide haben uns hohes Interesse an einer Zusammenarbeit in Bezug auf die chinesischen Projekte signalisiert. Ein tolles Feedback in unsere Richtung, da wir ebenso mit unseren Inhalten beeindrucken und ein gutes Gesamtbild unserer Arbeit hinterlassen konnten. Die Türen sind somit offen. Ob und wann wir durch diese gehen, liegt nun in unseren Händen – und wir werden mit Freude darüber berichten.

Euer Nek